Bericht über die Umsetzung des Energiekonzeptes und des lokalen Agenda-Beschlusses der Gemeinde Kirchzarten im Jahre 2011
1. Erlass von Richtlinien
Auf der Grundlage des Energiekonzeptes bestanden 2011 folgende Zuschussprogramme:
1. Zuschussprogramm zur thermischen Solarnutzung (EWK)
2. Zuschussprogramm für Solarstromanlagen (EWK)
3. Zuschussprogramm für E-Bikes (EWK).
2. Energieberatung
a) EWK
Eine Energieberatung fand ganzjährig durch die EWK statt.
Verschiedene Broschüren, wie etwas die Informationsbroschüre „Besonders sparsame Haushaltsgeräte“ wurden an Interessierte ausgegeben.
b) Gemeindeverwaltung Kirchzarten
Durch die Gemeindeverwaltung Kirchzarten fanden Beratungen hinsichtlich der Fördermöglichkeiten für Energiesparmaßnahmen und Solarenergienutzung statt. Hierbei wurden die Bürger auch auf die entsprechenden Bundes- und Landesförderprogramme und auf die Förderprogramme der EWK hingewiesen.
3. Energiediagnosen
a) Allgemeines
Im vergangenen Jahr gab es kaum Nachfrage nach Bezuschussungen von Energiediagnosen.
Aufgrund des Zuschussprogramms "Energiesparberatung vor Ort" des Bundesministeriums für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) verweist die Gemeinde Interessenten zunächst auf dieses Zuschussprogramm. Hierbei zahlt der Bund einen Anteil der Kosten einer Vorortberatung.
b) Maßnahmen der Gemeinde
ba) Energiekonzept Gemeindegebäude
Die Gemeinde hat im Jahr 2007 eine umfangreiche Untersuchung gemeindlicher Gebäude in Auftrag gegeben, um vorhandene energetische Mängel und Verbesserungspotentiale zu erkennen. Der Untersuchungsauftrag umfasste die Gebäude Grundschule Kirchzarten, Grundschule Burg mit Turnhalle, Zardunaschule Zarten, Gemeindewohnhäuser Schauinslandstr. 4 und 6, Schulhausstr. 20, St. Peter Str. 2, Am Bach 4.
Anhand der erstellten Prioritätenliste sollen als Folge energetische Dämm- oder andere Maßnahmen an den Gebäuden durchgeführt werden. Zentrales Ziel ist eine Senkung des Energieverbrauchs der Gebäude (siehe auch Punkt Wärmedämmung).
bb) Erarbeitung eines Klimaschutzkonzepts für die Gemeinde Kirchzarten
Der Gemeinderat hat die Entscheidung getroffen, für die Gemeinde Kirchzarten ein Klimaschutzkonzept erstellen zu lassen. Dieses soll Potentiale in den Bereichen Sonne, Wind, Wasser, Bioenergie, Energieeinsparung, u.a. aufzeigen, Klimaschutzziele für Kirchzarten herausarbeiten und bei der Umsetzung von Maßnahmen als Handlungsleitfaden dienen. Der Auftrag wurde an die Badenova AG vergeben.
In einem ersten Arbeitsschritt wurden 2011 vorhandene Energiedaten für alle Anwesen und kommunalen Gebäude ermittelt. Vorstellung, Öffentlichkeitsbeteiligung, Workshop, etc., erfolgt 2012.
bc) Energiekonzept Kurbetriebe
Die Kurbetriebe Kirchzarten ließen 2007 ein Energiekonzept erarbeiten, welches für das Dreisambad, das Kurhaus und den Campingplatz Möglichkeiten weiterer Energieeinsparmaßnahmen aufzeigt. Nach intensiven Beratungen fasste der Gemeinderat im Herbst 2009 den Beschluss, einen „Wärmeverbund“ zwischen Kurhaus, Dreisambad und Campingplatz herzustellen. Ausschreibung und Bau des Blockheizkraftwerks erfolgte in der Verantwortung der EWK. Die Inbetriebnahme des BHKW erfolgte im Januar 2011. Die EWK eröffnet hiermit ein weiteres Geschäftsfeld „Wärmelieferung“.
4. Veranstaltungen
Am 18. September 2011 veranstaltete die Gemeinde zusammen mit der EWK den Aktionstag „Kirchzarten auf sonnigen Wegen“. Zahlreiche Aussteller und Attraktionen informierten über die Themen „Energie, Heizung, Solarnutzung, Energieeinsparung“ und vieles mehr.
5. Wärmedämmung
Vor dem Hintergrund steigender Preise für Rohstoffe, der zwischenzeitlichen Einführung eines „Gebäude-Energieausweises“ sowie weltweiter Klimaveränderungen gewinnt die Dämmung von (Wohn-)Gebäuden zunehmend an Bedeutung. Durch gezielte Wärmedämm-Maßnahmen lässt sich der Energieverbrauch von Altbauten um über 40 % senken und als Folge der Ausstoß von CO² deutlich reduzieren.
Nach einer energetischen Bestandsuntersuchung der Gemeindegebäude Grundschule Kirchzarten, Grundschule Burg mit Turnhalle, Zardunaschule Zarten, Gemeindewohnhäuser Schauinslandstr. 4 und 6, Schulhausstr. 20, St. Peter Str. 2, Am Bach 4 wurde eine Prioritätenliste erstellt.
Anhand dieser sollen als Folge energetische Dämm- oder andere Maßnahmen an den Gebäuden durchgeführt werden. Zentrales Ziel ist eine Senkung des Energieverbrauchs der Gebäude.
Als erste Umsetzungsmaßnahme wurde im Jahr 2008 die Grundschule Kirchzarten mit erheblichem finanziellem Aufwand energetisch saniert. Die Arbeiten wurden 2009 abgeschlossen.
Im Jahr 2010 begannen entsprechende Arbeiten an der Grundschule Burg, die im Frühjahr 2011 abgeschlossen werden konnten. Der Sanierungsaufwand belief sich auf rd. 700.000 Euro.
Im Schulzentrum Dreisamtal, Schulträger ist der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald und die Gemeinde Kirchzarten, wurden die begonnenen Sanierungsarbeiten fortgesetzt. Diese umfassen auch energetische Verbesserungen an der Bausubstanz.
Im Rahmen des Konjunkturprogramms der Bundesregierung wurde mit einem Aufwand von mehr als 200.000 Euro die gesamte Heizungs- und Lüftungsanlage der Sporthalle erneuert.
6. Solarenergienutzung
In das Stromnetz der EWK speisen derzeit 171 Anlagen umweltfreundlich erzeugten solaren Strom ein. Die im Jahr 2010 erzeugte Strommenge betrug ca. 1,1 Mio. KW (h), [genaue Zahl lag noch nicht vor].
a) Zuschüsse der EWK
aa) Thermische Solarnutzung
Beim Zuschussprogramm der EWK für thermische Solaranlagen wurden 2 Anlagen im Privatbereich bezuschusst. Die Gesamtzuschusshöhe betrug 400 Euro.
ab) Solarstromanlagen
Beim Zuschussprogramm für Solarstromanlagen der EWK wurden 5 Anlagen bezuschusst. Die Gesamtzuschusshöhe betrug 3.900 Euro.
ac) E-Bikes
Im Rahmen der neuen Förderung von E-Bikes (Elektrobetriebene Zweiräder) wurde die Anschaffung von 5 Fahrzeugen bezuschusst. Die Gesamtzuschusshöhe betrug 250 Euro.
b) Einzelmaßnahmen
Errichtung einer Solarstromanlage auf dem Dach der Grundschule Burg.
Die Gemeinde hat in den zurückliegenden Jahren mehrere kommunale Dächer für die Errichtung und den Betrieb privater Solarstromanlagen zu Verfügung gestellt. So auf Dächern des Bauhofs (Leistungen: 16 KWp, 9 KWp, 8 KWp), der Schulen Zarten (Leistung: 13 KWp) und Kirchzarten (Leistungen: 8 KWp und 23 KWp).
Im Jahr 2010 wurde auch auf dem Dach der Grundschule Burg eine Solarstromanlage mit einer Leistung von 35 KWp errichtet. Die Anlage konnte ab Frühjahr 2011 klimaneutral erzeugten Solarstrom in das Netz der EWK einspeisen.
7. Straßenbeleuchtung
Der Gemeinderat hat im Jahr 2010 den Beschluss gefasst, die Straßenbeleuchtung in der Gesamtgemeinde in den kommenden 5 Jahren von der bestehenden HQL- auf NAV/LED-Technik umzustellen. Mit einer Energieersparnis von rd. 30 % wird hierbei gerechnet. In einem ersten Bauabschnitt wurden 2011 sämtliche Straßenleuchten im Ortsteil Zarten entsprechend umgerüstet. Rund 90 neue Leuchten tragen dazu bei, auch bei der Straßenbeleuchtung Energie zu sparen. Die Umrüstung auf LED-Technik wird 2012 fortgesetzt.
8. Wasserkraftnutzung
Die in Kirchzarten bereits vorhandenen 2 Wasserkraftanlagen mit einer Leistung von 80 KWp (Rotbach) und 670 KWp (Dreisam) erzeugten im vergangenen Jahr insgesamt rd. 2.000.000 KW(h) Strom. Eine dritte, neu errichtete Wasserkraftanlage am Osterbach, ging 2011 ans Netz.
Maßnahmen
Errichtung einer Wasserkraftanlage am Osterbach
Nach einem langen Genehmigungsprozess wurde im Herbst 2010 mit dem Bau einer Wasserkraftanlage am Osterbach begonnen. Die Gemeinde hat den Betreiber bei seinem Vorhaben unterstützt und ihm hierbei ein Grundstück für die Errichtung des Turbinenhauses verkauft. Die Inbetriebnahme der Anlage erfolgte im Rahmen einer Einweihungsfeier am 9. Juli 2011. Die Leistung der Anlage beträgt 200 KWp.
Energiegewinnung aus Trinkwasser
Die EWK prüft ein Projekt, eine Kleinwasserkraftanlage in die Trinkwasser-Versorgungsleitung beim Wasserhochbehälter Giersberg zu integrieren. So könnte durch das natürliche Gefälle des Wassers Strom gewonnen werden.
9. Kraft-Wärme-Anlagen
In das Stromnetz der EWK speisen 13 private Kleinstromanlagen im Rahmen der Kraft-Wärme-Koppelung ein. Es handelt sich um 3 Anlagen mit Rapsöl-Betrieb, 3 Anlagen mit Öl- und 7 Anlagen mit Erdgas-Betrieb. Die Menge des erzeugten Stroms liegt bei rd. 220.000 KW (h).
10. Klimaschutz überregional
Strategische Partnerschaft zur Förderung regenerativer Energien und einer effizienten Energienutzung
Die Gemeinde Kirchzarten trat im Herbst 2006 einer „strategischen Partnerschaft zur Förderung regenerativer Energien und einer effizienten Energienutzung in der Region Südl. Oberrhein“ bei. Rund 90 Städte und Gemeinden haben dies zwischenzeitlich ebenfalls getan. Ziel dieses Aktionsprogramms von Regionalverband Südl. Oberrhein, der Handwerkskammer Freiburg und den teilnehmenden Gemeinden ist es, auf breiter Front den anhaltend hohen Verbrauch fossiler Energieträger senken. Fast die Hälfte des Energieverbrauchs (ohne Verkehr) geht zu Lasten privater Haushalte. Schlechte Wärmedämmungen in Gebäuden und veraltete Heizungsanlagen bieten ein großes Potential den Energieverbrauch zu senken. Gleichzeitig erfolgt die mit Modernisierungsmaßnahmen verbundene Wertschöpfung überwiegend regional, was Handel, Gewerbe und Arbeitsplätzen zugute komme.
11. Atomkraftfreier Strom der EWK
Ende 2008 bzw. Anfang 2009 wurde die EWK für verschiedene Leistungen zertifiziert:
a) Der TÜV Nord bestätigte, dass gelieferter „Standardstrom“ zu mindestens 50 % aus regenerativen Quellen stammt (Wasserkraft, Biomasse und Photovoltaik). Der restliche Strombezug erfolgt über umweltschonende Kraft-Wärme-Kopplung.
Die EWK verzichtet beim Stromeinkauf für „Standardstrom“ vollständig auf Strom aus Atom-, Kohle- und Ölkraftwerken.
b) Der TÜV Nord bestätigte, dass gelieferter „Regiostrom“ beim Einkauf vollständig aus Anlagen regenerativer Stromerzeugung stammt. „Regiostrom“ kommt gänzlich ohne Anteile an Strom aus Atom-, Kohle- und Ölkraftwerken aus.
c) Der Verein für Nachhaltigkeit und Markttransparenz in der Energiewirtschaft, getragen vom Öko-Institut e.V., WWF Deutschlaund und der Verbraucherzentrale NRW zertifizierte den „Regiostrom“ mit dem Gütesiegel „OK-Power“ nach dem Ökostrom-Händlermodell.
12. Bezugsmöglichkeit von Bioerdgas
Die EWK bietet seit dem Jahr 2009 ihren Kunden „Bioerdgas“ an. Es handelt sich hierbei um Erdgas, dem zu 10 % oder 30 % Biogas beigemischt ist.
13. Förderung des ÖPNV
Der Gemeinde Kirchzarten ist es nach langjährigen Verhandlungen gelungen, von der Deutschen Bahn ein Grundstück am Bahnhof Kirchzarten zu erwerben. Die Gemeinde beabsichtigt, auf dem Grundstück den bestehenden (und oft nicht ausreichenden) Park + Ride-Parkplatz zu erweitern. Die Erweiterung soll im Jahr 2012 durchgeführt werden.
Auch die Verbesserung des Komforts durch die Errichtung von überdachten Wartehäuschen führt zu einer weiteren Akzeptanz und Nutzung des ÖPNV. Im Ortsteil Zarten wurde im späten Herbst mit der Errichtung eines Wartehäuschens an der St. Peter Straße, nahe dem Abgang Rotenweg, begonnen.
14. Verbesserung der ökologischen Durchgängigkeit von Flüssen
Osterbach
Im Zuge der Errichtung einer Wasserkraftanlage am Osterbach wurde ein altes Absturzwehr entfernt. Dieses war bisher für Fische und Kleinlebewesen im Osterbach ein unüberbrückbares Hindernis. An dieser Stelle wurde das Auslaufbauwerk der Wasserkraftanlage errichtet, gleichzeitig aber auch als Ausgleichsmaßnahme für den Naturschutz eine „Fischtreppe“. Diese ermöglicht nun den Auf- und Abstieg von Fischen und Kleinlebewesen im Gewässer. Die Umbaumaßnahme im Bachlauf erfolgte Ende 2010/Frühjahr 2011.
Brugga
Aufgrund schadhafter Bausubstanz musste 2011 die Brücke über die Brugga in Dietenbach, nahe dem Gasthaus „Rössle“, erneuert werden. Im Zuge der Maßnahme wurde nahe der Brücke ein Absturzwehr entfernt und durch eine „raue Rampe“ ersetzt. Gleichzeitig wurde das Bachbett in diesem Bereich aus Gründen des Hochwasserschutzes tiefer gelegt.
15. Schmutzwasseranbindungen an öffentliche Abwasserentsorgung
Im Ortsteil Neuhäuser wurde in den letzten Jahren im Bereich Neuhäuser Straße / Am Engenberg eine öffentliche Schmutzwasserleitung verlegt. Zahlreiche Anwesen wurden an die öffentliche Abwasserentsorgung angeschlossen. Bislang verfügten die Anwesen über private Kleinkläranlagen, deren Überlaufwasser in die Oberflächengewässer abgeleitet wurden.
Ende 2010 begannen Leitungsverlegungen im Bereich „Am Pfeiferberg“, um die dortigen Anwesen ebenfalls an diese Abwasserleitung anzuschließen. Die Arbeiten wurden 2011 abgeschlossen.
16. Umsetzung der lokalen Agenda 21
Im Weiteren waren Schwerpunkte der Umsetzung der lokalen Agenda 21 im Jahre 2011:
- Umsetzung der Energie-Förderprogramme der EWK. Mitwirkung im Förderverein für Solar- und andere regenerative Energien an der Haupt- und Realschule Kirchzarten. Mitwirkung bei der Initiative „Energieautarkes Schulzentrum“. Der frühere Plan, ein Wasserkraftwerk am Osterbach zu verwirklichen, wurde nun von einem privaten Investor realisiert. Siehe hierzu „Wasserkraftnutzung“. Fortführung von Planungen hinsichtlich der Biotopvernetzung im Rahmen des Flurbereinigungsverfahrens.
- Fortführung des Förderprogramms für die Anpflanzung von Obstbäumen. Bachgehölzpflegemaßnahmen in Zusammenarbeit mit den Landwirten und Angelsportvereinen.
- Weitere Förderung des ÖPNV.
- Arbeitskreis „Bewusstseinwandel“; Bürgerschaftliches Engagement „Bahnhof Kirchzarten“.
- Aktion „Eine Welt Kirchzarten e.V.“.
- „Helferkreis für Flüchtlinge“.
- Trägerverein für offene Jugendarbeit.
17. Zusammenfassung und Ausblick
Der weltweite Klimawandel ist nicht zu übersehen. Der weltweit zunehmende Verbrauch fossiler Brennstoffe zeigt sich für die Verbraucher an stetig steigenden Verbrauchskosten.
Insbesondere der Wärmedämmung bestehender Gebäude kommt aufgrund des großen Einsparpotentials eine steigende Bedeutung zu.
Die Ziele des Energiekonzeptes bzw. der Lokalen Agenda 21 werden von der Verwaltung im Rahmen von Beratungen und als Richtschnur für sich selbst weiter verfolgt.
Das in Arbeit befindliche Klimaschutzkonzept wird zukünftige Richtschnur für die Gemeinde Kirchzarten sein, lokale Klimaschutzziele zu erreichen.
Stand: 12. Januar 2012
